Thema Krankenversicherung bei Angehörigenpflege + Minijob (+ Selbstständigkeit)

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Pflegende Angehörige und Krankenversicherung – da gibt es mehrere Varianten. Seit dem 01. Januar 2017 besteht für Pflegepersonen unter bestimmten Voraussetzungen zwar eine Absicherung in der Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung. In Sachen Krankenversicherung müssen sich Pflegende aber selbst Gedanken machen.

Krankenversicherung bei ’nur‘ Angehörigenpflege

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Wer einen Angehörigen pflegt und keiner weiteren Tätigkeit nachgeht, der kann normalerweise über die gesetzliche Krankenkasse des Partners / der Partnerin beitragsfrei mitversichert werden. Das nennt sich Familienversicherung und ist grundsätzlich nur bei Ehepartnern oder eingetragenen Lebenspartnerschaften sowie für Kinder möglich.

Es gelten allerdings Einkommensgrenzen: Die beitragsfrei mitversicherte Pflegeperson darf höchstens 435 EUR im Monat verdienen (bei einem Minijob 450 EUR). Diese Werte gelten für 2018. Sie richten sich nach der jährlich geltenden Bezugsgröße (davon 1/7) der Sozialversicherung. Zinseinkünfte, die sich innerhalb des Sparerfreibetrages bewegen, werden dabei nicht als Einkommen angerechnet.

Wer privatversichert ist, hat generell keine Möglichkeit, sich beitragsfrei mitzuversichern.

Krankenversicherung bei Angehörigenpflege und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung

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Wer neben der Pflege eines Angehörigen noch einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht, also Voll- oder Teilzeit arbeitet, für den zahlt der Arbeitgeber die Beiträge zur Krankenversicherung. Was ansonsten bei der Kombination Angehörigenpflege plus Job zu beachten ist, findet Ihr hier.

Krankenversicherung bei Angehörigenpflege und Minijob

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Wer neben der ehrenamtlichen Pflege eines Angehörigen noch einem Minijob nachgeht, der kann meist ebenfalls über den Partner oder die Partnerin krankenversichert werden (Familienversicherung). Denn beim Minijob gilt eine erhöhte Einkommensgrenze von 450 EUR im Monat, die eine Pflegeperson verdienen darf, ohne selbst krankenversicherungspflichtig zu werden.

Dabei dürfen durchaus in einem Monat auch mal über 450 EUR gezahlt werden, so lange im Jahr insgesamt nicht mehr als 5.400 EUR (das entspricht 450 EUR im Monat) verdient werden. Aber Achtung: Sobald auch nur ein weiterer Euro aus Gehalt oder Selbstständigkeit dazu kommt, muss die Pflegeperson eine eigene Krankenversicherung abschließen! Sie kann sich dann freiwillig gesetzlich oder freiwillig privat versichern.

Die Berechnung des Gesamteinkommens erfolgt übrigens im Sinne des Einkommensteuerrechts.

Krankenversicherung bei Angehörigenpflege und Selbstständigkeit (und ggf. zusätzlichem Minijob)

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Um überhaupt noch arbeiten zu können, entscheiden sich manche pflegende Angehörige für eine Selbstständigkeit (Gewerbe oder Freiberuf), weil diese u. U. vom heimischen Schreibtisch aus erledigt werden kann und sich mit der Pflege zu Hause kombinieren lässt.

In dieser Konstellation (häusliche Pflege + Selbstständigkeit) kommt es zunächst darauf an, ob die Selbstständigkeit hauptberuflich oder nebenberuflich ausgeübt wird.

Hauptberufliche Selbstständigkeit und Pflege

Bei hauptberuflicher Selbstständigkeit muss man sich freiwillig gesetzlich oder freiwillig privat versichern. Das Wort ‚freiwillig‘ stimmt natürlich nicht ganz, denn die Krankenversicherung an sich ist Pflicht, Ihr habt nur die Wahl ob gesetzlich oder privat.

Von einer Hauptberuflichkeit wird generell ausgegangen, wenn der zeitliche Aufwand für die selbstständige Tätigkeit bei mehr als 30 Stunden wöchentlich liegt. Bei einem Aufwand von weniger als 20 Stunden gehen die Krankenkassen eher von einer nebenberuflichen Tätigkeit aus. Aber Vorsicht: Neben dem Zeitanteil gibt es auch noch  Einkommensgrenzen, die zu beachten sind, denn wer bei 10 Stunden in der Woche monatlich 5.000 EUR Gewinn macht, wird die Krankenkasse von der nebenberuflichen Selbstständigkeit kaum überzeugen können.

Bei einer freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung berechnet sich der Beitrag  aus sämtlichen Einnahmen, die dem Mitglied zum Lebensunterhalt zur
Verfügung stehen. Bei Selbstständigen zählt übrigens der Gewinn als Einkommen, nicht der Umsatz.

Für hauptberuflich Selbstständige gibt es unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit einer Beitragsentlastung, z. B. wenn das Einkommen unterhalb einer bestimmten Grenze liegt. Lasst Euch hierzu von Eurer Krankenkasse zur Beitragseinstufung informieren (man wird Euch einen Erhebungsbogen zuschicken).

Nebenberufliche Selbstständigkeit und Pflege

Wer neben der Pflege weniger als 20 Stunden in der Woche selbstständig arbeitet, gilt als nebenberuflich selbstständig, sofern die Einnahmen aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit nicht die Haupteinnahmequelle zur Sicherstellung des Lebensunter-
halts sind und es keine sozialversicherungspflichtigen Angestellten gibt.

Sofern die gesamten Einkünfte 435 EUR (2018) nicht übersteigen (bei Selbstständigen wird der Gewinn herangezogen), kann im Rahmen der Familienversicherung eine Pflegeperson auch hier beitragsfrei über den Ehepartner / die Ehepartnerin mitversichert werden. Sind die Gesamteinkünfte (dazu zählen z. B. auch Renten oder Einkünfte Vermietung / Verpachtung etc.) höher, dann endet der Anspruch auf eine beitragsfreie Familienversicherung. In dem Fall kommt nur eine freiwillige Krankenversicherung in Frage.

Die Beiträge berechnen sich anhand der gesamten Einkünfte, wobei ein Mindesteinkommen zugrunde gelegt wird. Unter Umständen können Selbstständige mit geringem Einkommen jedoch eine reduzierte Beitragsbemessungsgrundlage bei Ihrer Krankenkasse beantragen.

Nebenberufliche Selbstständigkeit, Pflege und Minijob

Im Grund gilt hier, was über die beitragsfreie Mitversicherung in den vorherigen Absätzen bereits erwähnt wurde. Es ist allerdings darauf zu achten, dass die Einkünfte aus (nebenberuflicher) Selbstständigkeit und Minijob insgesamt die durchschnittlich 450 EUR im Monat nicht übersteigen dürfen! Sobald ein Minijob mit im Spiel ist, gilt also die etwas höhere Grenze von 450 EUR. Aber es gilt eben auch: Sobald nur ein Euro mehr an Einkünften dazu kommt, muss man sich mit einem eigenen Vertrag krankenversichern!

Bildquelle: Pixabay (Tumisu)

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