Angehörigenpflege + Erwerbstätigkeit: Auswirkungen auf Rente und Arbeitslosenversicherung

Was ist zu beachten, wenn die häusliche Pflege mit Erwerbstätigkeit kombiniert wird?
Wer neben der Angehörigenpflege arbeitet, sollte hinsichtlich Rente und Arbeitslosengeld Einiges beachten.

In einem anderen Beitrag habe ich bereits berichtet, dass die Pflegekasse unter bestimmten Voraussetzungen Beiträge zur Rente für pflegende Angehörige zahlt. Wie verhält es sich aber, wenn jemand neben der häuslichen Pflege auch noch in Teilzeit erwerbstätig ist?

Zunächst einmal: Um im Sinne der Rentenversicherung als Pflegeperson zu gelten, müssen Sie mindestens 10 Std. wöchentlich pflegen und dürfen höchstens 30 Std. wöchentlich arbeiten. Ist das der Fall, müssen für die weitere Betrachtung folgende Varianten unterschieden werden: Angehörigenpflege + Minijob (bis 450 EUR) sowie Angehörigenpflege + sozialversicherungspflichtige Tätigkeit (über 450 EUR).

Angehörigenpflege und Minijob bis 450 EUR

Rentenversicherung

Wer einen Angehörigen für mindestens 10 Stunden in der Woche pflegt und darüber hinaus einen Minijob hat, also nicht mehr als 450 EUR verdient, für den stellt sich die Situation wie folgt dar: Die Pflegekasse zahlt Rentenbeiträge, deren Höhe sich am Pflegegrad des Angehörigen orientiert (mehr zur Höhe der Rentenansprüche hier).

Da es grundsätzlich so ist, dass Rentenansprüche aus einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit mit denen aus der Pflegetätigkeit addiert werden (es wird gegenseitig nicht gekürzt), ist entscheidend, ob man als Minijobber auf die Rentenversicherungspflicht verzichtet hat oder nicht.

Wer auf die Rentenversicherungspflicht freiwillig verzichtet hat, bekommt keine Rentenversicherungsbeiträge vom Minijob-Verdienst abgezogen, folglich erhöht sich dadurch auch der spätere Rentenanspruch nicht. Es bleibt bei den Rentenansprüchen aus der häuslichen Pflege.

Wer als Minijobber Beiträge zur Rentenversicherung zahlt, für den erhöht sich die spätere Rente dadurch geringfügig. Er oder sie erwirbt diese Rentenansprüche zusätzlich zu denen aus der Erwerbstätigkeit!

Die spätere Rente wird sich durch die geringfügige Beschäftigung (Minijob) zwar nur minimal erhöhen, aber: Mit den Beiträgen zur Rentenversicherung können Minijobber auch ihre Wartezeiten / Mindestversicherungszeiten erfüllen (das kann z. B. für die Erwerbsminderungsrente relevant sein) oder können staatliche Förderung für eine Riester-Rente nutzen.

Arbeitslosenversicherung

Aus dem Minijob entstehen keine Ansprüche auf Arbeitslosenversicherung (AV), es werden ja auch keine AV-Beiträge daraus abgeführt.

Aus der ehrenamtlichen Pflegetätigkeit entsteht jedoch seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes II am 01.01.2017 eine Versicherungspflicht in der Arbeitlosenversicherung. Die Beiträge hierfür übernimmt Eure Pflegekasse (oder ggf. das Versicherungsunternehmen, falls eine private Pflege-Pflichtversicherung vorhanden ist), sie berechnen sich anhand eines fiktiven Arbeitsentgelts, das sich an der jeweils geltenden Bezugsgröße orientiert.

Angehörigenpflege und Erwerbstätigkeit mit einem Verdienst über 450 EUR

Rentenversicherung

Wer neben der ehrenamtlichen Pflege eines Angehörigen noch einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht (also wer kranken-, renten-, pflegeversicherungspflichtig ist), der bekommt die Rentenbeiträge in beiden Fällen gezahlt ohne dass eines mit dem anderen verrechnet würde.

Das heißt: Sowohl die Pflegekasse als auch der Arbeitgeber zahlen Rentenbeiträge, die sich positiv auf die spätere Rente auswirken. Die Ansprüche werden nicht gegenseitig gekürzt. Das gilt bis zu einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden.

Arbeitslosenversicherung

Wenn eine Pflegeperson neben der Angehörigenpflege eine versicherungspflichtige Beschäftigung hat, dann hat diese Beschäftigung im Hinsicht auf die Arbeitslosenbeiträge Vorrang.

Das bedeutet: In diesem Fall werden von der Pflegekasse keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung mehr gezahlt! Die Beitragshöhe und die Höhe des zukünftigen Arbeitslosengeldes bemessen sich dann nur nach der Teilzeitbeschäftigung, die ehrenamtliche Pflege wird hierbei außer acht gelassen.

Das ist besonders fies, wenn Ihr einen Job habt, in dem Ihr nur etwas mehr als 450 EUR verdient, denn das fiktive Arbeitsentgelt, das für Angehörigenpflege zugrunde gelegt wird, wäre u. U. (je nach Pflegegrad) deutlich höher.

Folglich können bei einer ausschließlichen Pflegetätigkeit evtl. höhere Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt werden als bei der häuslichen Pflege kombiniert mit einer Teilzeit-Anstellung!

Kurz-Überblick:

Vorteile (+) und Nachteile (-) wenn die Pflege von Angehörigen mit Erwerbstätigkeit kombiniert wird

 Rentenversicherung Arbeitslosenversicherung
 Job bis 450 EUR
(Minijob)
 + Es entstehen Rentenansprüche aus Erwerbstätigkeit UND aus Pflegetätigkeit (addiert)

+ Es können Wartezeiten erfüllt werden (Mindestversicherungszeiten)

 – Keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung aus dem Minijob

+ weiterhin Beiträge zur Arbeitslosenversicherung aus der ehrenamtlichen Pflegetätigkeit

 Job über 450 EUR
(sozialversicherungspflichtig)
 + Es entstehen Rentenansprüche aus Erwerbstätigkeit UND aus Pflegetätigkeit, wenn wöchentliche Arbeitszeit nicht höher als 30 Std

+ Es können Wartezeiten erfüllt werden (Mindestversicherungszeiten)

 – Beiträge zur Arbeitslosenversicherung werden nur noch (!) aus der versicherungspflichtigen Beschäftigung gezahlt

Wenn Ihr dazu Informationen oder Fragen habt, lasst es uns wissen (Kommentarfunktion ganz unten). Es gibt zu diesem komplexen Thema bestimmt noch weitere Aspekte, die zu berücksichtigen sind.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/arbeitsmappe-banknoten-buchhaltung-1205044/ (© jackmac34)

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10 Kommentare

  1. Hallo,
    ich hatte vor ein paar Stunden einen Termin mit dem MDK zur Begutachtung zweier älterer Damen, die ich betreue, zwecks Feststellung der Pflegegrads.
    Dabei hat die Mitarbeiterin des medizinischen Dienstes etwas gesagt, was ich überhaupt nicht verstanden habe und nun auch bei der anschließenden Recherche nicht verstehe bzw finden kann.
    Sie meinte, dass ich (seit 1.1.2017 ohne Beschäftigung) mindestens einen Teilzeitjob ausüben muss, damit für mich Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden können, wenn ich die Pflege der Damen z.B. mit Pflegegrad 2 übernehme.
    Das ich nicht mehr als 30 Stunden/Woche arbeiten darf, habe ich hier gelesen. So steht es auch in der Broschüre des Bundesministeriums für Gesundheit. Doch von einem notwendigen Teilzeitjob ist nicht die Rede.
    Das ist doch ein Fehler, oder?
    Liebe Grüße, Oliver

  2. Sehr geehrte Damen und Herren mein Name ist Johannes Peter Lemnitz Ich Pflege meinen Vater Zuhause, mein Vater hat den pflegegrad 3 das Jobcenter zwingt mich zweimal in der Woche entweder nebentätig zu sein, oder auf Maßnahme teilzunehmen jeden Woche zwei mal eine Stunde.
    Ich bekomme noch die zusätzliche Leistung Alg2 kann ich auch mein Vater als Minijob pflegen und trotzdem das Geld von Jobcenter sprich die Leistungen weiterbekommen, und die Krankenkasse auch bezahlt bekommen . Kann das Jobcenter mich dann als minijobler anmelden ohne das ich irgendwelche Abzüge habe
    MfG Lemnitz

    • Sehr geehrter Herr Lemnitz,

      bitte entschuldigen Sie, dass ich erst jetzt antworten kann, Ihr Kommentar war aus Versehen im Spam-Ordner gelandet.

      Hier zunächst der Hinweis, dass ich selbst auch nur eine private Pflegeperson bin. Ich versuche zu helfen so gut es geht, gebe aber keine Garantie für die Richtigkeit der Information (siehe auch ‚Haftungsausschluss Beratung‘ auf der rechten Seite der Website) und hafte für nichts.

      Falls Ihre Frage noch relevant ist, hier dazu meine Hinweise:

      Es ist leider nicht möglich, sich für die Pflege des Vaters oder eines anderen nahen Angehörigen in Form eines Minijobs anstellen zu lassen. Die Behörden gehen bei der Pflege eines nahen Angehörigen von einer ’sittlichen Verpflichtung‘ dazu aus.

      Auch hält das Jobcenter bei Pflegegrad 3 eine Arbeit von bis zu 6 Stunden täglich im allgemeinen für zumutbar (hier ein Link direkt auf das entsprechende PDF mit den sogenannten ‚fachlichen Weisungen‘ dazu, siehe S. 7). Dass das in der Realität meistens nicht zu machen ist, wissen alle, die pflegen. Ob die Verpflichtung zur Teilzeit-Tätigkeit vom Jobcenter aber wirklich durchgesetzt wird, ist einzelfallabhängig. Hier bliebe wohl nur die Möglichkeit, in einem persönlichen Gespräch mit dem / der Jobcenter-Mitarbeiter*in darzulegen, wie Ihr Tagesablauf ist und wie viele Stunden Sie tatsächlich pflegen. Vielleicht dokumentieren Sie das mit einem Pflege-Tagebuch?

      Ansonsten könnten Sie sich evtl. an eine Beratungsstelle des VDK wenden oder über einen Beratungshilfeschein ein Erstgespräch beim Anwalt suchen.

      Alles Gute und beste Grüße

      Bianca

  3. Ich hätte mal eine Frage. Ich würde gerne meine rentenversicherungspflicht rückgängig machen. Habe zwei minijobs. Den einen mit einer geringen Summe als erstes und den zweiten einen Monat später mit einen höheren Einkommen. Da ich den job mit den niedrigen Lohn zuerst hatte hab ich den Verzicht der Rentenversicherungsbeiträge unterschrieben. Da mein Lohn so niedrig war, dass ich drauf zahlen müssen. Rückgängig machen geht ja nicht. Nur mit einer Kündigung beider Jobs. Da ich vom Jobcenter Geld bekomme würde ich eine Sperre bekommen, wenn ich beide Jobs vorübergehend kündigen würde. Ich Pflege zurzeit meine Mutter und bin auch als Pflegeperson eingetragen. Es wird für mich Rentenversicherungsbeitrag gezahlt. Im Normalfall hat der Minijob mit der Rentenversicherungspflicht nix damit zu tun mit den Rentenversicherungsbeitrag der Pflegekasse. Meine Frage gibt es trotzdem eine Sonderregelung wo man automatisch wieder eine Zettel ausfüllen muss um erneut auf die Rentenversicherungspflicht zu verzichten. In meinem Fall würde ich für die minijobs diesmal nicht verzichten. Gibt es ein Paragraph der dieses besagt.

  4. Sehr geehrte Damen und Herren,

    zu diesem Thema hätte ich eine Frage. Folgender Fall: Frau arbeitet als Lehrerin 16 St/Woche (was der Obergrenze von den 30 St/Woche bei Angestellten entspricht). Nebenbei pflegt sie ihren Sohn mit mehr als 10 St/Woche und bezieht Pflegegeld. Dementsprechend zahlt die Pflegekasse auch für sie in den Rentenversicherung ein. Ist es möglich, dass die Frau zusätzlich noch einen 450 Euro Job anfangen kann, ohne dass sie die Ansprüche aus der Rentenversicherung verliert? Als Zusatz ist es vielleicht noch wichtig zu wissen, dass die Frau Beamtin ist.

    • Sehr geehrte Frau Salzmann,
      das ist eine sehr interessante Frage. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, geht es um die Kombination Angehörigenpflege (mehr als 10 Std. wöchentlich) + Teilzeit-Anstellung (16 Std.) + ein Minijob.
      Ich bin selbst ’nur‘ eine pflegende Angehörigen und habe momentan nicht die Kraft, mich in die Details hinein zu recherchieren. Aber nach meinem Verständnis dürfte sich das nicht schädlich auf die Ansprüche aus der Rentenversicherung auswirken, solange die Teilzeit-Tätigkeit und der Minijob zusammen (!) auf nicht mehr als 30 Stunden in der Woche kommen.
      Wie gesagt, das ist lediglich meine private Einschätzung. Wenn Sie ganz sicher gehen mögen, empfehle ich Ihnen, sich mit der Deutschen Rentenversicherung in Verbindung zu setzen. Falls Sie mehr erfahren, freue ich mich, wenn Sie es uns im Anschluss wissen lassen.
      Alles Gute und beste Grüße
      Bianca Bender

    • Sehr geehrte Damen und Herren,
      ich habe einen 450 Euro-Job und arbeite in der Woche 14 Stunden. Zusätzlich ist mein Mann erkrankt und braucht meine Hilfe. Er hat Pflegegrad 3 und bekommt Pflegegeld. Jetzt hat meine Krankenkasse mich als nicht „erwerbsmäßig tätige Pflegeperson“ bei meiner Rentenversicherung gemeldet. Ich bekomme eine Erwerbsminderungsrente. Kann sich dies nun auf meine Rente auswirken? Darf ich meinen Mann pflegen oder wird mir jetzt unterstellt, ich arbeite mehr an Zeit, als ich darf und dann wird mir die Erwerbsminderungsrente gestrichen oder gekürzt?

    • Liebe Frau Wehn,

      haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Frage.

      Zunächst weise ich der Form halber darauf hin, dass ich selbst nur pflegende Privatperson bin. Ich versuche zu helfen, so gut es geht, bin aber keine offizielle Beratungsstelle und insofern hafte ich nicht für eventuelle Falschangaben (siehe hierzu auch „Haftungsausschluss Beratung“ in der rechten Sidebar).

      Nun zu Ihrer Frage: Ich habe das mal für Sie recherchiert und denke, dass es hier zwei unterschiedliche Stränge gibt:

      A) Ist es gut, dass Ihre Kranken-/Pflegekasse Sie als „nicht erwerbsmäßig tätige Pflegeperson“ angemeldet hat. Denn das bescheinigt zum einen, dass Sie nicht erwerbsmäßig pflegen (sondern sozusagen ‚privat‘ bzw. ‚ehrenamtlich‘). Zum anderen das hat zur Folge, dass die Pflegekasse Rentenversicherungsbeiträge für Sie bezahlt. Diese wirken sich zwar nicht direkt auf Ihre Erwerbsminderungsrente aus, können sich allerdings durchaus erhöhend auf Ihre spätere ’normale‘ Rente (also die Altersrente) auswirken. Insoweit gut! 🙂

      B) Nun weist der VDK auf dieser Seite (die auch meine Quelle ist) darauf hin, dass Erwerbsminderungsrentner*innen, die eine Person pflegen, unter Umständen einen Fragebogen von der Rentenversicherung bekommen könnten, in dem abgefragt wird, wie Ihr körperlicher Zustand ist. Denn wenn Sie bspw. wegen massiver Rückenbeschwerden Erwerbsminderungsrente beziehen und dann einen Pflegebedürftigen salopp gesagt ‚durch die Gegend tragen‘, wird das in den Augen der Rentenversicherung nicht zusammen gehen. Es käme hier also auch darauf an, was der gesundheitliche Grund für Ihre Erwerbsminderung war bzw. ob sie glaubhaft machen können, dass das für die Pflege keine Rolle spielt (bspw. weil Sie mobile Patientenlifter einsetzen etc.).

      Wenn Sie sicher gehen wollen, wenden Sie sich doch vielleicht einmal direkt an den VDK. Dort führt man Sozial- und Rechtsberatungen durch. Die nächstgelegene Beratungsstelle für Ihren Ort finden Sie hier: https://www.vdk.de/deutschland/pages/der_vdk/72455/suche-beratungsstelle

      Alles Gute für Sie und Ihren Mann!

      Herzliche Grüße

      Bianca Bender

  5. Guten Abend,

    ich habe eine Frage zu den höchstens 30 Stunden, die man zusätzlich zu der Pflege arbeiten darf. Hier wird immer nur nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung ODER einer geringfügigen Beschäftigung gefragt. Kann man auch beides, teilzeitbeschäftigt sein mit 25 Std. / Woche plus eine geringfügige Beschäftigung? Darf diese dann nur noch 5 Std. / Woche dauern oder ist dies dann egal wie lange?
    Für eine Antwort wäre ich dankbar.
    Freundliche Grüße

    • Hallo Ulrike,
      wieder mit dem Hinweis, dass ich selbst nur eine pflegende Privatperson bin, die versucht es anderen Pflegenden leichter zu machen: Nach meinem Verständnis gilt, dass es insgesamt höchstens 30 Stunden sein dürfen, unabhängig davon, ob diese 30 Stunden aus sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung oder aus einem Minijob kommen. Das ergibt ja auch insofern Sinn, als dass mit dieser Regelung vermutlich sichergestellt werden soll, dass man neben seiner Arbeit überhaupt noch Zeit hat, Pflege zu leisten.
      Wenn Du sicher gehen willst, frage vielleicht am Besten mal bei Deiner Kranken-/Pflegekasse nach.
      Liebe Grüße und alles Gute für Dich!
      Bianca

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