Rente für pflegende Angehörige

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Unter bestimmten Voraussetzungen zahlt die Pflegekasse für pflegende Angehörige Beiträge in die Rentensversicherung ein. Gerade weil viele Pflegepersonen ihren Beruf aufgeben müssen, ist das für die spätere Rente zumindest eine kleine Verbesserung. In diesem Beitrag erfahrt Ihr, unter welchen Voraussetzungen Rentenbeiträge für Euch gezahlt werden.

Rente für pflegende Angehörigen – Voraussetzungen

Die Pflegekasse zahlt für pflegende Angehörige dann Rentenversicherungsbeiträge, wenn

  • Ihr nicht erwerbsmäßig pflegt
  • die Pflege in häuslicher Umgebung erfolgt
  • Ihr eine (oder mehrere) pflegebedürftige Personen mit mindestens Pflegegrad 2 pflegt
  • Ihr insgesamt mindestens 10 Stunden in der Woche pflegt und zwar an mindestens zwei Tagen pro Woche
  • Ihr neben der Pflege, nicht mehr als 30 Stunden berufstätig seid
  • Ihr selbst keine Vollrente wegen Alters bezieht
  • Ihr Euren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland, der Schweiz oder im Europäischen Wirtschaftsraum habt.

Ist das alles der Fall, dann entsteht eine Rentenversicherungspflicht. Die Rentenbeiträge zahlt in diesem Fall Eure Pflegekasse.

Muss ich einen Antrag auf Übernahme der Rentenbeiträge stellen?

Nein. Da die Versicherungspflicht unter den genannten Voraussetzungen per Gesetz entsteht, ist kein Antrag nötig. Im besten Falle bekommt Ihr nach Anerkennung eines Pflegegrades 2 oder höher automatisch einen Fragebogen von Eurer Pflegekasse zugeschickt („Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“). Alternativ sucht Ihr eine Beratungsstelle der Pflegekasse auf oder fragt telefonisch bei Eurer Pflegekasse nach.

Gilt die Pflegezeit dann als Wartezeit im Sinne der Rentenversicherung?

Ja. Die Pflegezeit wird als sogenannte Wartezeit angerechnet. Was bedeutet das? Um Leistungen aus der Rentenversicherung beanspruchen zu können, muss eine bestimmte Mindestversicherungszeit eingehalten sein. Die Pflegezeit darf hier mit einberechnet werden (sofern die o. g. Voraussetzungen erfüllt sind und Eure Pflegekasse Rentenbeiträge einbezahlt hat).

Wie erfolgt die Beitragsberechnung und wieviel bringt mir das für die Rente?

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Für die Beitragsberechnung wird zunächst ein allgemeiner fiktiver Verdienst zugrunde gelegt, die sogenannte Bezugsgröße. Im Jahr 2017 liegt diese bei 2.975,00 Euro (Deutschland West) bzw. 2.660 Euro (Deutschland Ost). Aus der Bezugsgröße ergibt sich dann, je nach Zeitaufwand und Pflegegrad, eine Bemessungsgrundlage. Diese wird nach einem bestimmten Prozentsatz der gerade aktuellen Bezugsgröße berechnet.

Sofern Ihr die Pflege Eures Ehepartners, Angehörigen oder Freundes nicht komplett selbst übernehmt, sondern zusätzlich noch einen professionellen Pflegedienst im Boot habt (Pflegesachleistungen), dann verringern sich die Prozente, die für die Berechnung der Bemessungsgrundlage zugrunde gelegt werden. Ebenso bei ausschließlichem Bezug von Sachleistungen (wenn Ihr also gar nicht selbst pflegt).

Eure persönliche Bemessungsgrundlage könnt Ihr mit der nachfolgenden Tabelle ermitteln, die der Broschüre „Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich“ entnommen ist:

Zum Download der Broschüre als PDF
Quelle: Broschüre der DRV (https://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232684/publicationFile/21805/rente_fuer_pflegepersonen.pdf)

Beispiel: Bei Pflegegrad 4 ist Euer prozentualer Anteil bei Bezug von Pflegegeld 70%, bei Kombinationsleistung 59,5% und bei Sachleistung noch 49% der Bezugsgröße. Daraus ergibt sich (West oder Ost) ein bestimmter Betrag (letzte und vorletzte Spalte), der Eure persönliche Bemessungsgrundlage ist, also quasi das fiktive Gehalt, von dem die Pflegekasse Eure Rentenbeiträge bezahlt (2017: 18,7%).

Um wieviel sich im Einzelnen Eurer Rentenanspruch erhöht, lässt sich in der nachfolgenden Tabelle der Deutschen Rentenversicherung ablesen, die ebenfalls der Broschüre „Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich“ entnommen ist.

Zum Download der Broschüre als PDF
Quelle: Broschüre der DRV (https://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232684/publicationFile/21805/rente_fuer_pflegepersonen.pdf)

Die Tabelle liest sich folgendermaßen: Hat Dein zu pflegender Angehöriger bspw. Pflegegrad 3 und bezieht Pflegegeld, erhöht sich je Jahr Pflegetätigkeit Deine monatliche Rente um 12,84 EUR.

Das ist zwar besser als nichts, aber selbst bei Pflegegrad 5 (Schwerst­beein­trächtigte mit besonderen Pfle­geanforderungen) liegt man bei einem Jahr Pflege­tätig­keit noch unter der Renten­anwart­schaft, die Ihr als Durch­schnitt­verdiener im Jahr aufbauen würdet.

Ich arbeite neben der Pflege. Werden die Rentenansprüche aus dem Arbeitsverhältnis dann gekürzt?

Nein, das werden sie nicht. Immer vorausgesetzt, Ihr arbeitet nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich (s. o.).

(Quelle des Beitragsbildes: © Alexas_Fotos / Pixabay.com)

2 Kommentare

  1. Liebe Frida,

    so würde ich das verstehen, ja. Ich bin selbst natürlich auch nur pflegende Angehörige und kann daher keine Beratung geben.

    Aber wenn ich Deinen Fall fiktiv mal durchdenke, wäre es so:

    Wir nehmen der Einfachheit halber für die Berechnung an, dass Dein Sohn schon immer Pflegegrad 4 hatte (was in der Praxis natürlich nicht der Fall sein kann, schon alleine, weil es vorher Pflegestufen gab, aber auch weil seine Situation früher vielleicht anders war).

    Wenn Du in Deutschland West wohnst, würde sich demgemäß deine Rente jährlich um 20,90 EUR erhöhen. Du hast 32 Jahre gepflegt, das macht 20,90×32= 668,80 EUR. Nach meinem Verständnis müsste sich seit dem Zeitpunkt an, ab dem Du die Pflege Deines Sohnes begonnen hast, Deine Rente um 668,80 EUR erhöht haben.

    Aber wie gesagt: Ich versuche nur zu helfen, bin aber keine Rentenberaterin o.ä., wenn Du sicher gehen willst, lass Dir das lieber von der Rentenversicherung nochmal ausrechnen.

    Viel Kraft für Dich!

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