8 Dinge, die Du wissen musst, wenn Du zum ersten Mal zu Hause pflegst

Veröffentlicht von

Plötzlich Pflegefall. Wenn Ehemann, Ehefrau, Mutter, Vater oder ein naher Angehöriger zum Pflegefall werden, sind Angehörige oft ratlos. Woher soll man wissen, was jetzt zu tun ist? Unsere kleine Liste für die erstmalige Pflege zu Hause soll helfen.

1. Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld bei akutem Pflegefall (bis zu 10 Tage)

Tritt ein Pflegefall akut ein oder erhöht sich plötzlich der Pflegeaufwand, spricht man von einer kurzzeitigen Arbeitsverhinderung. Bis zu 10 Tage und ohne Ankündigungsfrist dürfen Angehörige der Arbeit fernbleiben, um die Versorgung des Pflegebedürftigen zu organisieren und sicherzustellen. Während dieser Zeit haben Sie Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld, das über die Pflegekasse beantragt werden kann.

2. Anspruch auf Pflegezeit (bis zu 6 Monate)

Ist es mit 10 Tagen nicht getan und der/die nahe Angehörige (mindestens Pflegegrad 1) muss weiter häuslich gepflegt werden, besteht die Möglichkeit, sich bis zu sechs Monate teilweise oder ganz vom Job freistellen zu lassen (Pflegezeit). Ein Rechtsanspruch auf die Pflegezeit besteht nur gegenüber Arbeitgebern mit mindestens 16 Beschäftigten. Der Einkommensausfall kann auf Antrag mit einem zinslosen Darlehen des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben überbrückt werden.

3. Hausarzt und Fachärzte mit ins Boot holen

Wichtig ist, dass pflegende Angehörige mit der neuen Situation nicht ganz alleine dastehen. Hausärztin oder Facharzt sollten daher über die Pflegesituation informiert werden. Sie beantworten spezifische Fragen und vermitteln an lokale Beratungsstellen vor Ort, wie bspw. Pflegestützpunkte.

4. Pflegestützpunkt vor Ort kontaktieren

Deutschlandweit kümmern sich die Beraterinnen und Berater der Pflegestützpunkte um gesetzlich versicherte Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, Menschen mit Behinderung und Personen, die von Behinderung und Pflege bedroht sind. Sie informieren, beraten, unterstützen und vermitteln rund um alle pflegerischen Belange, wie Versorgung, Betreuung, Sozialleistungen und andere Hilfsangeboten. Es werden auch Hausbesuche gemacht. Die privaten Krankenversicherungen haben übrigens eine eigene Pflegeberatung eingerichtet: Compass Pflegeberatung für Privatversicherte.

5. Pflegegrad feststellen lassen und Pflegegeld beantragen

Wird die häusliche Pflege zu einer längerfristigen Angelegenheit, dann empfiehlt es sich, den Pflegegrad des Pflegebedürftigen vom MDK feststellen zu lassen. Der Antrag ist bei der Pflegekasse (die bei Eurer Krankenkasse angesiedelt ist) zu stellen. Antragsformulare gibt es oft auf den Websites der Kassen zum Download oder auf telefonische Anfrage hin per Post. Die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit erfolgt durch einen Gutachter des MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen). Achtet auf das Datum und stellt den Antrag lieber früher als später, denn bis zur Entscheidung kann es eine ganze Weile dauern und das Pflegegeld wird dann rückwirkend zum Antragsdatum gewährt. Weitere Infos findet Ihr auch bei den Kollegen anderer Blogs zum Thema, z. B. hier: Pflegegrade und die MDK-Prüfung mit den neuen Modulen.

6. Unterstützung im Alltag nach §45 SGB XI beantragen

Wer länger pflegt, hat irgendwann das Gefühl, das einem alles über den Kopf wächst. Hilfe für den Pflegebedürftigen und seine pflegenden Angehörigen gibt es über sogenannte Betreuungs- und Entlastungsleistungen (niedrigschwellige Betreuungsleistungen) nach §45 SGB XI. Hierüber können bspw. hauswirtschaftliche Hilfen oder eine Betreuung bei Abwesenheit der Pflegeperson in Anspruch genommen werden. Hierzu habe ich bereits einen eigenen Artikel mit weiteren Informationen verfasst: Unterstützung im Alltag.

7. Die Wünsche des Pflegebedürftigen respektieren

…auch, wenn es schwer fällt. Denn, believe me!, es wird häufig schwer fallen! Versuche zu akzeptieren, dass er oder sie in einer ganz anderen Position steckt als Du. Toleriere Entscheidungen, auch wenn Du sie nicht nachvollziehen kannst (je eher Du das schaffst, desto weniger Stress wirst auch Du innerlich haben).

8. Vollmachten bei Pflegebedürftigkeit

Überlegt gemeinsam, ob eine Vorsorgevollmacht erteilt werden soll. So könnt Ihr im Notfall für den Pflegebedürftigen Entscheidungen treffen, denn bei Geschäfts- und/oder Einwilligungsunfähigkeit wird ansonsten ein gesetzlicher Betreuer bestellt. Die Betreuungs-/Entscheidungsgewalt fällt nämlich aktuell nicht automatisch dem Ehepartner zu*, sondern nur, wenn das in einer Vorsorgevollmacht so festgelegt wurde! Formulare für die Vorsorgevollmacht gibt es zum Download, z. B. beim Bundesanzeiger-Verlag oder dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz.
(*Der Bundesrat hat zwar eine entsprechende Gesetzesinitiative eingebracht, noch gilt aber die alte Regelung.)

Artikelbild
© Monam | Pixabay (https://pixabay.com/de/users/Monam-265889/

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.