Schon morgens platt? Erschöpfung durch Pflege

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Juni 2017. Die sommerliche Helligkeit hat mich gegen 5:30 Uhr geweckt. Das Gehirn springt sofort an und arbeitet auf Hochtouren. Ich will das nicht! Warum kann ich nicht länger schlafen, wie so viele andere auch? „Der Kuchen!“, fällt es mir siedendheiß ein…

New York Cheesecake und Getriebene im Supermarkt

Wir bekommen später Besuch, ich habe optimistisch New York Cheesecake angekündigt, der aber 6 Stunden gekühlt und vorher gemacht und gebacken werden muss. Viertel nach sechs sitze ich mit Kaffee und einem Toast am Küchentisch. Um 7 Uhr stehe ich bei REWE auf der Matte und kaufe nicht nur alles für den Kuchen ein, sondern auch alles für das Wochenende und drei Kisten Wasser. Die Verkäuferinnen machen auf mich den Eindruck, als schienen sie sich zu fragen, wer um alles in der Welt an einem Samstag morgen um 7 Uhr einkaufen gehen muss. Ich. Und drei oder vier andere Getriebene.

Saugen, putzen, backen (haben wir 1958?)

Uhr mit laufenden Beinen
Die häusliche Pflege erfordert eine gute Zeitplanung

Heim, Einkäufe ins Haus schleppen, verräumen. Die drei Kisten Wasser lasse ich im Auto stehen und hoffe, dass sich der männliche Part des nachmittäglichen Besuches erbarmt. Um 7:40 Uhr fange ich an den Kuchen zu machen, dann ab in den Ofen damit. Ich mache die Küche sauber, sauge einen Teil der Wohnung (um meinen Mann nicht zu wecken, spare ich mir den anderen Teil für später auf), anschließend staube ich ab.

Geraschel aus dem Schlafzimmer. Für mich das Zeichen, meinem Mann das Frühstück vorzubereiten, den Kaffee zu machen, alles mundgerecht bereitzustellen. Dann helfe ich ihm beim Anziehen (Waschen kommt später). Ich reiche Taschentücher und Handy an.

Schon vormittags platt

Nun ist es genau 9:00 Uhr. Viele andere stehen jetzt langsam auf. Ich habe – wie so viele Pflegende jeden morgen – bereits geleistet und bin erschöpft. Manchmal, wenn ich gerade nicht ganz bewusst an meinem Befinden dran bin, frage ich mich vormittags um elf Uhr, warum ich eigentlich schon platt bin. Ist es doch langsam das Alter? Bin ich nicht fit genug?

Nein, es sind die großen und vor allem die unzähligen kleinen Handgriffe, die man als Pflegeperson täglich ausführt, fast schon automatisch. Um noch ein eigenes Leben zu haben, um noch einem Hobby, einem Blog, einem Studium oder einer Teilzeit-Beschäftigung nachgehen zu können, um nebenbei lesen, laufen oder lernen zu können, erledigen wir alles, was anfällt irre effizient. Zumindest ist das bei mir so.

Gibt es ein eigenes Leben neben der Pflege?

Täte ich das nicht, wäre der Alltag vielleicht etwas weniger stressig. Aber was würde mein Ego dann noch stützen, mein Denken in andere Bahnen lenken, meinen Geist herausfordern? Wohin soll meine Kreativität? Wo bliebe mein eigenes bisschen Leben?

Mein Mann braucht jetzt Hilfe im Bad. Danach muss ich übrigens auch selbst mal ins Bad. Und die Straße kehren (wir sind dran). Und Wäsche machen. Dann ist auch schon wieder Zeit für das Mittagessen. Ich muss Schluss machen, wir lesen uns!

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