Verhinderungspflege, ehrenamtliche Initiativen und mehr: Welche externe Unterstützung gibt es für Pflegende?

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Pflegende sollten sich Hilfe von Außen holen (© https://pixabay.com/de/users/blickpixel-52945/)

Wer eine Weile gepflegt hat, für den wird das Gefühl der Überlastung ein allzu treuer Begleiter. Der gute Rat von Außen („Du musst Dich auch um Dich kümmern…“) ist zwar gut gemeint – aber oft nicht umsetzbar.

Leidet der Pflegebedürftige an einer Krankheit, die in absehbarer Zeit tödlich enden wird, ist gerade für pflegende Partner und Partnerinnen ein Urlaub ohne einander kaum vorstellbar. Die Zeit, die bleibt, getrennt voneinander zu verbringen, kommt einem absurd vor.

Ein gemeinsamer Urlaub scheitert oft am Willen des Pflegebedürftigen oder am organisatorischen bzw. finanziellen Aufwand. Um als Pflegeperson ein wenig Entlastung zu finden, sind kleine Hilfen von außen daher ein möglicher Weg.

Niedrigschwellige Betreuungsleistungen

(auch: „Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI“ oder „Angebote zur Unterstützung im Alltag“)

Die niedrigschwelligen Betreuungs- und Entlastungsangebote werden oft im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen genannt. Diese Betreuungsleistungen können aber nicht nur von demenziell Erkrankten in Anspruch genommen werden, sondern grundsätzlich von jedem Pflegebedürftigen, der Zuhause gepflegt wird und einen Pflegegrad hat.

Arten der Unterstützung im Alltag

Abgerechnet werden dürfen z. B. Hilfen im Haushalt, körperbezogene Pflegetätigkeiten, die Beaufsichtigung des zu Pflegenden, die Begleitung bei Behördengängen oder Veranstaltungen und sonstige individuell benötigte Leistungen. Darüber hinaus kann der Betrag bei Bedarf auch auf die Tages- und Nachtpflege oder Kurzzeitpflege umgelegt werden.

Höhe des Entlastungsbetrags

Der Entlastungsbetrag beträgt seit dem 01.01.2017 für alle Pflegebedürftigen 125 EUR monatlich.

Der Entlastungsbetrag muss zwar bei der Pflegekasse beantragt werden, dies muss aber nicht zwingend vorab geschehen, d. h. der Antrag kann zeitgleich mit dem Einreichen der ersten Rechnungen gestellt werden.

Pflegedienste, die zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen nach § 45b SGB XI anbieten, rechnen meist selbst mit den Kassen ab.

Leistungserbringer

Die Unterstützungsleistungen im Alltag können zugelassenen Pflegediensten mit besonderen Angeboten, von Tagesbetreuungen, nach Landesrecht anerkannte Haushalts- und Serviceanbieter

Weiterführende Links

http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/45b.html

Verhinderungspflege

Verhinderungspflege kommt in Frage, wenn Sie als pflegender Partner vorübergehend ausfallen, sei es wegen Krankheit oder Erholungsbedarf. Das kann ein zweiwöchiger Urlaub sein oder eine stundenweise Abwesenheit, um bspw. mal zum Friseur oder wandern zu gehen.

Wer hat Anspruch auf Verhinderungspflege?

Anspruch auf Leistungen der Verhinderungspflege haben Pflegebedürftige mit den Pflegegraden 2 bis 5, die bereits seit mindestens 6 Monaten zu Hause gepflegt werden. Anspruch besteht für längstens 42 Kalendertage und höchstens 1.612 EUR (ggf. Erhöhung durch bis zu 50% Anteil aus der Kurzzeitpflege möglich). Stand: 2017.

Stunden- oder tageweise Verhinderungspflege

Stundenweise Verhinderungspflege liegt vor, wenn die Ersatzpflege weniger als 8 Stunden dauert. Ist die Pflegeperson mehr als 8 Stunden verhindert, dann handelt es sich um tageweise Verhinderungspflege.

Achtung: Bei Inanspruchnahme der tageweisen Verhinderungspflege wird im entsprechenden Zeitraum nur noch die Hälfte des gewohnten Pflegegeldes ausbezahlt. Bei der stundenweisen Verhinderungspflege erfolgt keine Anrechnung auf das Pflegegeld, es wird zu 100% ausbezahlt.

Wer übernimmt die Verhinderungspflege?

Verhinderungspflege kann sowohl von Pflegediensten, als auch von erwerbsmäßig tätigen Pflegepersonen und von privaten Pflegepersonen durchgeführt werden. Die private Ersatzpflege durch einen nahen Angehörigen ist allerdings auf den 1,5 fachen Betrag des Pflegegeldes begrenzt.

Die Verhinderungspflege kann übrigens auch dann beantragt werden, wenn Kombinationspflege stattfindet.

Weiterführende Links:

http://www.budget.bmas.de/DE/StdS/Gesundh_Pflege/Pflege_Vers/Pflegevertretung/pflegevertretung_node.html

Kurzzeitpflege

Muss eine pflegebedürftige Person vorübergehend in einer stationären Einrichtung untergebracht werden, so kann dies über die Kurzzeitpflege geschehen.

Der entscheidende Unterschied zur Verhinderungspflege ist also, dass diese ambulant (also meistens in der Wohnung des Pflegebedürftigen) durchgeführt wird, die Kurzzeitpflege jedoch ausschließlich vollstationär (also in einer anerkannten Pflegeeinrichtung) in Anspruch genommen werden kann.

Beträge Kurzzeitpflege

Auch hier beträgt der Höchstbetrag im Jahr 1.612 EUR (Stand: 2017), wobei ebenfalls mit den nicht verbrauchten Anteilen aus der Verhinderungspflege kombiniert werden kann, so dass derart bis zu 3.224 Euro im Jahr in Anspruch genommen werden können. Der entsprechende Anteil aus der Verhinderungspflege entfällt dann.

Weiterführende Links:

http://www.budget.bmas.de/DE/StdS/Gesundh_Pflege/Pflege_Vers/Kurzzeit/kurzzeit_node.html;jsessionid=F027D2D188C82C02486B4457F9826B1A.2_cid345

Kombinationspflege (Pflegedienst)

Kombinationspflege bedeutet, man kombiniert seine eigenen Pflegeleistungen (also das Pflegegeld) mit denen eines Pflegedienstes (Sachleistungen). Beispiel: Jeden Morgen kommt jemand vom Pflegedienst, um Ihre Partnerin zu versorgen, den Rest des Tages und während der Nacht übernimmst du selbst die Pflege.

Pflegegeld anteilig

Entsprechend diesen Anteilen wird dann auch das Pflegegeld aufgeteilt: Angenommen der Pflegedienst rechnet von den insgesamt möglichen Sachleistungen 30% für die morgendliche Pflege ab, dann werden dir vom Pflegegeld auch 30% abgezogen.

Du erhältst also anteiliges Pflegegeld in Höhe von 70% der Summe ausbezahlt, die du bekommen hättest, wenn du komplett ohne Pflegedienst pflegen würdest.

Einen kostenlosen Rechner für das verbleibende Pflegegeld sowie weitere Details zur Kombipflege findest du z. B. hier: https://www.pflege-durch-angehoerige.de/rechner/pflegegeldrechner/

Familie & Freunde

So nah und doch so fern… Die Hilfe durch Familienangehörige oder enge Freunde liegt einerseits nah, ist aber in der Realität oft am schwierigsten umzusetzen. Warum? Die harte Realität ist, dass man nach langjähriger Pflegetätigkeit gute Freunde oft an einer Hand abzählen kann.

Kannst Du mir bitte helfen?

Ein zweiter Faktor ist, dass es vielen Menschen schwer fällt, aktiv um Hilfe zu bitten. Viele von uns, auch ich selbst, hoffen, dass entsprechende Bemerkungen oder Sub-Botschaften intuitiv verstanden werden. Das ist aber fast nie der Fall!

Bevor ihr enttäuscht aufgebt, bittet denjenigen klar um Hilfe und sprecht den Bedarf konkret an! Das ist oft eine große Überwindung – aber ihr müsst da durch, denn Anspielungen werden meiner Erfahrung nach so gut wie nie verstanden. Wenn Ihr selbst schon auf dem letzten Loch pfeift – schont nicht noch zusätzlich die Anderen.

Auseinandersetzung mit Leid und drohendem Tod

Drittens kommt bei sehr schweren oder tödlichen Krankheiten des Pflegebedürftigen u. U. ein weiterer Aspekt hinzu: Familienmitglieder oder Freunde sind vielleicht nicht in der Lage (oder nicht willens), dem Elend ins Gesicht zu sehen, sich mit dem Leid auseinanderzusetzen und ziehen sich so weit es geht zurück.

So belastend und ungerecht diese Situation für Pflegende ist: Daran ist meist nichts zu ändern. Umso wichtiger ist für Dich in dieser Situation die Unterstützung durch Institutionen, Pflegedienste, aber auch durch Ehrenamtliche oder Hospizvereine (wo Du auch seelische Unterstützung finden kannst).

Ehrenamtliche Gruppen, gemeinnützige Initiativen, kirchliche Angebote

In vielen Städten und Kommunen haben Bürgerstiftungen und andere gemeinnützige Initiativen erkannt, dass der Bedarf an Hilfe größer ist als das bestehende Angebot.

Bürgerstiftungen

Die Bürgerstiftungen bspw. sind zwar nicht gezielt auf die Unterstützung von behinderten Menschen und pflegenden Angehörigen ausgerichtet, bieten aber dennoch oft Hilfe für diese Zielgruppen, z. B. in Form von Nachbarschaftshilfe.

Vereine und gemeinnützige Organisationen

Gemeinnützige Organisationen, Vereine oder ehrenamtliche Initiativen in deiner Stadt findest du z. B. unter den Stichworten „Bürger helfen Bürgern“, „Stadt XYZ hilft“, „Nachbarschaftshilfe XYZ“, „Behindertenhilfe XYZ“ (wobei „XYZ“ für deine Stadt oder deinen Kreis steht).

Kirchliche Stellen

Möglicherweise bieten auch die Kirchengemeinden in deiner Region ehrenamtliche Unterstützung an. Besuche die entsprechenden Websites der Gemeinden oder frage bei Bekannten, die sich kirchlich engagieren.

Pflegestützpunkte

Ebenfalls hilfreiche Anlaufstellen sind die Pflegestützpunkte deines Landkreises oder deiner Stadt! Dort weiß man über bestehende Initiativen in der Region oft gut Bescheid.

Eine Möglichkeit nach Pflegestützpunkten und weiteren Beratungsangeboten von Bund, Ländern, Kommunen und sonstigen Einrichtungen zu suchen findest du nachfolgend.

Weiterführende Links:

Datenbank zur Beratung im Kontext Pflege
https://bdb.zqp.de/#/home

Bürgerstiftungsfinder
http://www.aktive-buergerschaft.de/buergerstiftungen_alt/unsere_leistungen/buergerstiftungsfinder

Hospizvereine und Palliativnetzwerke

Wer mit einer tödlichen Krankheit konfrontiert ist wird sich früher oder später über das Sterben Gedanken machen (müssen).

Hospize und Palliativ-Versorgung

Hospizvereine und / oder Palliativnetzwerke stehen den Erkrankten und deren Angehörigen aber nicht erst ganz am Ende zur Seite, sondern oft auch schon im Verlauf der jeweiligen Erkrankung.

Neben den stationären Hospizen selbst gibt es in vielen Regionen einen Hospizverein, der die ambulante Begleitung auf Wunsch bei den Erkrankten zu Hause durchführt.

Ehrenamtliche Hospizhelfer*innen

Was vielen Hilfesuchenden jedoch nicht bewusst ist: Ehrenamtliche Helfer können nicht erst in den letzten Wochen des Lebens in Anspruch genommen werden, sondern u. U. auch schon deutlich früher. Das ist dann der Fall, wenn einem Hilfebedürftigen eine tödliche Krankheit diagnostiziert wurde.

Hier hört man die Hilferufe des Pflegebedürftigen selbst ebenso wie die der pflegenden Angehörigen, die gerade in dieser Situation mit einer großen psychischen Belastung konfrontiert sind.

Mit dem „angekündigten“ Tod des Partners jeden Tag leben zu müssen, kostet für sich schon immens viel Kraft! Ehrenamtliche HospizbegleiterInnen können in dieser Situation bspw. für Gespräche, aber auch bei der Essenszubereitung oder der Betreuung des letal Erkrankten beiseite stehen.

Weiterführende Links:

Suche nach Hospizvereinen und Palliativnetzwerken auf dem Palliativ-Portal:
http://www.palliativ-portal.de/palliativ-suche?cat=48

Aber: Nicht alle bundesweiten Hospizvereine sind dort eingetragen. Nutze auch die Suche über Google in Kombination mit dem Namen deines Wohnortes oder der nächsten größeren Stadt.

Reinigungskraft / Hauswirtschaftshilfe auf eigene Rechnung oder über das Sozialamt

Haushaltshilfe auf Minijob-Basis

Zu guter Letzt kann über die Anstellung einer Haushaltshilfe auf Minijob-Basis nachgedacht werden. Die tatsächlich angefallenen Kosten dieser so genannten haushaltsnahen Beschäftigungsverhältnisse können mit einem gewissen Anteil von der Einkommensteuerschuld abgezogen werden (Details siehe hier).

Wird jedoch bereits der Behinderten-Pauschbetrag nach § 33b EStG in Anspruch genommen, „so ist die Steuerermäßigung nach § 35a Abs. 5 Satz 1 EStG ausgeschlossen, soweit die Aufwendungen mit dem Behinderten-Pauschbetrag abgegolten sind“ (Quelle: rechtslupe.de).

Auf jeden Fall ist diese Möglichkeit der Unterstützung für pflegende Angehörige eine Überlegung wert! Selbst mit den Abgaben, die für den Minijob anfallen, ist der Aufwand für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis gar nicht sooo hoch.

Leg dein Gefühl der Entlastung und die gewonnene Lebenszeit auf die andere Seite der Waagschale…

Haushaltshilfe oder Reinigungskraft über »Hilfe zur Pflege«

Wer finanziell unter einer gewissen Einkommensgrenze liegt, also im Sinne des Sozialamtes als bedürftig gilt, für den besteht die Möglichkeit »Hilfe zur Pflege« zu beantragen.

In diesem Rahmen lohnt es sich, mit den Menschen, die deinen Antrag bearbeiten, zu sprechen und freundlich anzufragen, ob die Kosten für eine Hilfe im Haushalt übernommen werden können.

Wie man »Hilfe zur Pflege« beantragt, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Diese Informationen werden nicht im Rahmen eines konkreten Vertragsverhältnisses übermittelt. Sie basieren auf den privaten Erfahrungen und Recherchen der Verfasserin. Diese übernimmt keinerlei Gewähr für Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen. Haftungsansprüche gegen die Verfasserin, welche sich auf Schäden materieller oder ideeller Art beziehen, die durch die Nutzung der dargebotenen Informationen bzw. durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Informationen verursacht wurden, sind grundsätzlich im weitest zulässigen Rahmen ausgeschlossen.

(Quelle des Beitragsbildes: © https://pixabay.com/de/users/blickpixel-52945/)

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