Schwerbehindertenausweis beantragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Antragsformular mit Kugelschreiber
Antrag auf Feststellung des Grads der Behinderung (© Bianca B.)

Die Wohnung hat Ihr Partner schon länger nicht mehr ohne Auto und fremde Hilfe verlassen. Das Laufen fällt ihm immer schwerer. Aber im Haushalt und im Bad kommt er noch ganz gut zurecht. Ist jetzt schon der richtige Zeitpunkt, um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen?

Die Definition von Behinderung

Nach §2 SGB IX sind Menschen dann behindert, „wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist“.

Um den Grad der Behinderung (GdB) festzustellen, wird auf die tatsächliche Leistungseinschränkung durch die Erkrankung oder Behinderung Bezug genommen. Jemand, der seine Wohnung nicht mehr selbstständig verlassen kann, ist fraglos in seiner Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt. Anhand der o. g. Definition kann aber heraus gelesen werden, dass auch das Alter bei der Einschätzung der Beeinträchtigung eine Rolle spielen kann. Wer mit 86 Jahre nicht mehr flott durchs Dorf laufen kann, weicht weniger von einem „für das Lebensalter typischen Zustand“ ab als jemand, dem das bereits mit 42 Jahren nicht mehr gelingt.

Eher früher als später

Generell rate ich dazu, den Antrag auf einen Schwerbehindertenausweis zu stellen, sobald die betreffende Person merklich eingeschränkt ist – sei es aus ihrer eigenen Perspektive oder aus der einer anderen Person. Denn: Rechnen Sie damit, dass der Antrag ohnehin zunächst einmal abgelehnt wird und sich das Prozedere einige Wochen bis hin zu einigen Monaten ziehen wird. Sollte ein Grad der Behinderung festgestellt werden, dann fällt dieser meistens deutlich geringer aus, als der Behinderte selbst das empfindet. In diesem Fall zögern Sie nicht, sondern legen Sie gleich Widerspruch ein!

Anträge werden oft zum Projekt

Dieser zeitliche Umstand ist auch der einzige Grund, den Antrag evtl. doch erst dann zu stellen, wenn die Aussichten auf Anerkennung eines Grads der Behinderung bereits hoch sind: Die Beantragung wird Sie Zeit und Nerven kosten! Wer als pflegende Angehörige oder mit einem Vollzeitjob ohnehin an seiner Belastungsgrenze ist, der sollte sich jede einzelne administrative Zusatzaufgabe gut überlegen. Die Entscheidung, jetzt dieses oder jenes anzugehen, wird oft zu einem „Projekt“, das einen länger begleitet, als einem lieb ist.

Praxis: Schwerbehindertenausweis beantragen und Grad der Behinderung feststellen lassen

Der Weg zum Schwerbehindertenausweis führt in Deutschland über das Versorgungsamt bzw. das Amt für Soziale Angelegenheiten (ASA).  Je nach Bundesland und Wohnort ist für die Feststellung des Behinderungrades – eine Voraussetzung für den Erhalt des Schwerbehindertenausweis‘ – ein bestimmter Standort zuständig. Eine Auflistung aller in Deutschland für die Beantragung eines Schwerbehindertenausweises zuständigen Versorgungsämter nach Bundesländern finden Sie hier.

Wie genau Sie den Antrag stellen, was beigefügt werden muss und worauf Sie achten müssen, das haben bereits andere Autoren sehr gut zusammengestellt. Die Links zu den von uns empfohlenen Anleitungen und zur Auflistung der für Ihr Bundesland zuständigen Versorgungsämter finden Sie in der nachstehenden Infobox.

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Auflistung der für die Schwerbehinderung zuständigen Ämter / Standorte, sortiert nach Bundesländern

Weitere Informationen zum Schwerbehindertenausweis beim VdK

SGB IX (Sozialgesetzbuch, 9. Buch): Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

Schwerbehindertenausweisverordnung
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