Häusliche Pflege des Ehepartners

Frau schiebt jemandem im Rollstuhl durch die Natur
Wenn der Partner Pflege braucht (© https://pixabay.com/de/users/maxlkt-2411480/)

Googelt man nach Pflege im mittleren Lebensalter, bekommt man auf der ersten Seite Ergebnisse zur Versorgung Demenzkranker, zur Betreuung psychischer Alterserkrankungen, zur Anti-Aging-Hautpflege (haha) und zur Sozialplanung von Senioren. Eine Google-Suche nach „Pflege des Ehepartners“ bringt auf der ersten Seite hauptsächlich allgemeine Tipps hinsichtlich Familienpflegezeit, Rente, usw. Nur ein Beitrag der FAZ beschäftigt sich explizit mit einer Frau, die Ihren Mann pflegt – beide sind 86 bzw. 87 Jahre alt.

Es scheint also auch in der Angehörigenpflege einen ‚Standard‘ zu geben, an dem sich die Berichterstattung und die Ratgeber orientieren: Die Pflege eines körperlich und / oder psychisch erkrankten Elternteils, das die 70 überschritten hat. Menschen zwischen 20 und 60 Jahren, die nicht ihre Eltern, sondern ihren Partner / ihre Partnerin pflegen, finden in der öffentlichen Wahrnehmung fast nicht statt.

Pflegende im jungen oder mittleren Lebensalter

In der Realität muss es aber auch andere Fälle geben: Frauen Mitte 40, die ihren gleichaltrigen Ehemann pflegen; Männer um die 30, die ihre Lebenspartnerin versorgen; oder gar Jugendliche, die in die Pflege eines noch jungen Elternteils eingebunden sind. Täglich geschehen folgenreiche Verkehrsunfälle, werden letale Erkrankungen diagnostiziert, verunglücken Menschen in der Mitte ihres Lebens und landen im Rollstuhl oder gar Wachkoma. Die Berichterstattung über vergleichsweise junge pflegende Angehörige, über Menschen, die ihren Ehemann oder ihre Lebenspartnerin pflegen, fehlt auf breiter Front.

Pflege des Ehepartners

Diejenigen, die ihren gleichaltrigen Partner pflegen, sind teilweise ganz anderen Umständen ausgesetzt, als diejenigen, die alte Menschen pflegen. Die Pflege des Ehemanns, die Pflege der Ehefrau oder allgemein die Pflege des Lebenspartners entzieht der bisherigen Lebenswelt komplett den Boden. Der Partner fällt in doppelter Hinsicht aus: Es fehlt nicht nur seine / Ihre Unterstützung bei der Pflege einer hilflosen Person, er oder sie IST die zu pflegende Person. Das bedeutet, dass der tägliche Aufwand durch die Pflegeaufgabe immens erhöht wird, während sich die Schultern, auf denen sich die Belastung verteilen könnte, gleichzeitig halbieren.

Erschöpfung, Frustration und Einsamkeit

Pflegende Angehörige – das betrifft junge wie ältere – sind oft dauerhaft erschöpft. Den Partner waschen, duschen, sein Essen klein schneiden? Geschenkt! Viel belastender kann das Gefühl der Frustration und der Einsamkeit werden, wenn die Pflege lange Zeit andauert und eine(r) die Hauptlast trägt. Wenn keine Kinder vorhanden sind, Eltern nicht in der Nähe wohnen oder bereits verstorben sind, wenn die Freunde nach und nach spärlicher werden, weil man nicht lange am Stück raus kann oder das Geld knapp ist, dann trifft das jüngere Menschen oft härter als ältere. Denn so richtig empfindet man den eigenen Zustand erst dann (als gut oder schlecht), wenn man ihn mit dem Zustand Anderer vergleicht.

Freunde zwischen 30 und 55 stehen ‚mitten im Leben‘, verreisen oft und gerne, haben finanziell einen stabilen Zustand erreicht, gehen zum Sport, feiern Kindergeburtstage, sitzen in Biergärten oder feiern in Sommernächten das Leben. Die Leichtigkeit der Leben der ‚Anderen“ macht die außerordentliche ‚Schwere‘ des eigenen Lebens erst richtig bewusst.

Ein Forum für pflegende Ehepartner, Liebespartner, Paare aller Art

Neben der praktischen Hilfe für den unpraktischen Alltag möchte Angehörigenpflege – Komm klar! auch ein Forum sein: Ein virtueller Ort für den Austausch unter pflegenden Ehefrauen und Ehemännern, unter pflegenden Liebenden oder solchen, die sich mal geliebt haben.

Die Tipps, Ratschläge und Artikel sind sicher für viele pflegende Angehörige hilfreich, so soll es auch sein. Aber der Blickwinkel, unter dem hier berichtet wird, ist einer von und für pflegende Partner im jüngeren und mittleren Lebensalter – und für deren ganz besondere Bedürfnisse.  Man hat in dieser Lebenssituation oft den Eindruck, man sei alleine auf weiter Front. Auch diesem Gefühl soll hier entgegen gewirkt werden.

Hinterlasst in den Kommentaren gerne, was Ihr Euch von einem solchen Blog wünscht, wo Ihr Hilfe brauchen könnt und über welche Themen Ihr mehr wissen wollt. Wünscht Ihr Euch auf diesem Webangebot auch ein Forum zum Austauschen und zum Kennenlernen? Ein Forum, das aus einzelnen Menschen mit speziellen Herausforderungen eine wahrnehmbare Gruppe macht? Lasst es mich wissen.

(Quelle des Beitragsbildes: © https://pixabay.com/de/users/maxlkt-2411480/)

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9 Kommentare

  1. Danke, Johanna! Es muss doch noch mehr von uns geben… Man fühlt sich manchmal als wäre man die einzige Person, die gerade in so einer Lage steckt, dabei kann das eigentlich gar nicht sein 😉 Ich hoffe, es finden sich noch ein paar mehr und wir können uns ein wenig vernetzen und unterstützen. Lass Dich nicht unterkriegen! 🙂

  2. Zu 100% Richtig geschrieben und von mir nur zu unterschreiben! Pflege meinen Mann alleine seit 5 Jahren und wir sind beide in der Zielgruppe die Altersmässig komplett durch das Raster fällt!
    LG Barbara

    • Danke Dir, Barbara, für Deinen Kommentar. Auch wenn mir Eure Situation natürlich sehr leid tut, bin ich froh, dass sich einige aus der Deckung wagen und wir uns vielleicht irgendwann auch mal in der öffentlichen Wahrnehmung wiederfinden! Lass auch Du Dich nicht unterkriegen 🙂

  3. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, dass es nur Frauen gibt, die sich um ihre Männer kümmern. Wir sind beide Mitte 40. Meine Frau hat chronisch progrediente MS (seit mehr als 20 Jahren), mittlerweile den Pflegegrad 3 und wir haben ein Grundschulkind.
    Ich habe meinen Hauptberuf als Opernsänger vor zwei Jahren gekündigt und arbeite seither Teilzeit und freiberuflich, kann mir also zum Glück meine Zeit größtenteils frei einteilen. Hätte ich einen 9 to 5 Job, wäre der normale Alltag bei uns kaum, oder nur sehr schwer zu bewältigen
    Besonders bei der Planung von unseren Urlauben stoßen wir an unsere Grenzen. Barrierefrei + kinderfreundlich gibt es extrem selten. Würde mich interessieren, wie das andere so organisieren, oder macht ihr gar keinen Urlaub mehr?
    Wie heißt es so schön: „Meine Sorgen möcht ich haben“ (K. Tuchosky)
    LG Steffen

  4. Endlich,danach habe ich schon lange gesucht! Es stimmt,bei dem Thema Pflege stößt man meist auf ältere und Dement. Habe schon gedacht ich bin fast die einzige die ihren Ehemann zuhause pflegt! Mein Mann hatte 2017 eine schwere Hirnblutung,damals war er 48 Jahre jung. Ich bin etwas älter,damals 50! Unser Sohn war dabei (17) und hat ihn wiederbelebt! Die ganze Situation hat er bis heute ,er ist in kürze 19 nicht verkraftet! Wir haben noch eine Tochter,jetzt 23,sie wohnt nicht mehr zuhause,geht aber relativ locker mit ihrem Vater um. Ich habe ihn nach der Reha nach Hause geholt. Für mich gab es nichts anderes,ich hätte es nicht ausgehalten ihn in ein Heim zu geben. Die Liebe zu ihm ist so groß. Er kann nicht mehr sprechen,nicht mehr laufen aber er kann Sprache verstehen,er lacht auch oft wenn ich wieder Blödsinn rede. Ich gehe zwei mal in der Woche noch arbeiten,in der Zeit ist er in einer Tagespflege. Leider sind dort nur alte Menschen! Aber die Pflegerinnen sind ganz Hipp,weil meiner steht halt eher auf ACDC wie auf Heino! Meine Schwiegermutter steht mir tatkräftig zur Seite,obwohl sie auch schon 70 ist. Aber ich gebe zu dass ich manchmal am Ende meiner Kräfte bin. 24 Stunden Pflege,arbeiten,das Haus in Schuss halten….hört sich voll nach jammern an und das ist so gar nicht mein Ding! Danke für‘s zuhören oder lesen. Hätte noch so viel zum schreiben. Aber dann wär‘s sicher zu lang! 🌺

    • Liebe Silke,

      es tut mir leid, dass ich Ihren Kommentar jetzt erst freigeschaltet habe. Es waren einige Kommentare im Spam-Ordner gelandet und ich habe sie eben erst entdeckt.

      Ja, man fühlt sich wirklich sehr alleine mit dem Pflegethema, wenn man in einem Alter ist, in dem man mitten im Leben steht. Um einen rum dreht sich das Karussell munter weiter, nur mal selbst wurde irgendwie ‚angehalten‘ und beobachtet nur.

      Das muss schlimm für Ihren Sohn gewesen sein, den Vater wieder zu beleben, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Möglicherweise würde ihm eine Gesprächtherapie helfen, mit dem Thema umzugehen?

      Dass Sie am Ende der Kräfte sind, kann ich soooo gut verstehen! Sie jammer nicht – das ist total gerechtfertigt. Niemand, der nicht selbst mal über einen längeren Zeitraum gepflegt hat, kann wirklich nachvollziehen, wie mürbe einen das macht. Es ist ja nicht nur die Pflege an sich, es ist auch der immense bürokratische Aufwand, die ständigen Anträge, die Tatsache dass man sich fortan alleine um Haus, Hof, Garten, Finanzen, Versicherungen, Einkaufen, Vermieter, etc. kümmern muss – neben der Pflege.

      Ich wünsche Ihnen und Ihrem Mann viel Kraft und bin bei ACDC statt Heino voll dabei! 😉

      Liebe Grüße
      Bianca

  5. Ich bin 32 und habe einen behinderten Lebensgefährten und ein behindertes Kind.
    Ich bin ganz alleine mit dem täglichen Wahnsinn, habe keine Freunde oder Familie die mich vor Ort unterstützen, nur an Weihnachten und Geburtstagen kommt etwas finanzielle Unterstützung.
    Ich frage mich manchmal, warum ich das überhaupt mache. Oft flüchte ich mich in Tagträume und ich bin seit Jahren so erschöpft, dass ich zu ungünstigen Zeiten gezwungen bin zu schlafen, weil ich mich nicht mehr bewegen kann. Ich würde so gerne richtig leben.

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